Gendergerechtes Schreiben: Infos, Tipps und Beispiele

Collage mit zwei Herzen, auf denen „HIM?!“ und „HER?!“ steht

Binnen-I, Gender-Gap und Gendersternchen: Über gendergerechte Sprache wird heiß diskutiert. Im Frühjahr 2021 führte der Duden geschlechtergerechte Personenbeschreibungen ein – und setzte damit ein klares Zeichen für eine inklusivere Sprachgestaltung. Spätestens jetzt setzen sich auch Unternehmen noch stärker mit dem Thema gendergerechte Sprache auseinander. Denn von Stellenausschreibung bis Corporate Language – die Wahl der Sprache kommuniziert unsere Unternehmenskultur intern und nach außen.

Um Diversität abzubilden und willkommen zu heißen, führt kein Weg am Gendern vorbei. Doch was spricht eigentlich für gendergerechte Sprache und was sind häufig gehörte Gegenargumente? Was ist beim gendergerechten Schreiben zu berücksichtigen? In unserem Beitrag beantworten wir diese Fragen und geben praktische Tipps für gendersensible Formulierungen.

Was ist mit gendergerechtem Schreiben gemeint?

Gendern ist die Anwendung einer genderneutralen Sprache in gesprochener oder geschriebener Form. Gendergerechtes Schreiben betrifft also konkret das Verfassen von gendersensiblen Texten: Weibliche, männliche und diverse Lesende sollen sich angesprochen fühlen.

Exkurs: Das generische Maskulinum in der deutschen Sprache

Doch wo liegt eigentlich das Problem – wieso brauchen wir überhaupt eine geschlechtergerechte Sprache? Anlass gibt das „generische Maskulinum“, eine grammatikalische Besonderheit der deutschen Sprache. Generell werden Substantive nach ihrem grammatischen Geschlecht, dem Genus, unterschieden: So ist der Mann männlich (Maskulinum), die Frau weiblich (Femininum) und das Auto sachlich (Neutrum).

Doch wenn das biologische Geschlecht vermeintlich unwichtig ist, greift verallgemeinernd das generische Maskulinum – die männliche Bezeichnung meint andere Geschlechter mit. Das ist zwar gut lesbar, aber irreführend: Aus einer Veranstaltung mit 20 Technikern und 40 Technikerinnen kann so eine Veranstaltung mit 60 Technikern werden. Frauen und nicht-binäre Identitäten werden unsichtbar.

Wer Texte gendert, schreibt also inklusiver. Auch der Duden hat sich 2021 klar gegen den Gebrauch des generischen Maskulinums positioniert. Die Redaktion fügte jeder männlichen Personenbezeichnung die weibliche hinzu – „der Maler“ und „die Malerin“ sind nun gesonderte Einträge. Diesen Schritt begründete die Duden-Redaktion wie folgt: „Die männlichen Formen waren nie geschlechtsneutral, wir präzisieren im Rahmen der kontinuierlichen redaktionellen Arbeit an unseren Inhalten lediglich die Bedeutungsangaben.“ Da der Duden eine wichtige Autorität für den korrekten Sprachgebrauch ist, sendet dies ein starkes Signal in Richtung gendergerechte Sprache als neuer Sprachnorm.

Kritik am generischen Maskulinum:

  • Das generische Maskulinum schränkt die Sichtbarkeit von Frauen und Queeren ein, wenn sie in mündlicher und geschriebener Sprache lediglich mitgemeint werden
  • Die ausschließlich männliche Bezeichnung setzt das Männliche als Norm fest und verfestigt so Macht-Dysbalancen
  • Studien belegen, dass sich Frauen und Diverse von generisch maskulinen Bezeichnungen nicht angesprochen fühlen – ist von „Arzt“, „Mitarbeiter“ oder „Redakteur“ die Rede, assoziieren die meisten damit Berufe, die von Männern ausgeübt werden.

TIPP

Vermeiden Sie in geschriebenen Texten Generalklauseln wie „Frauen sind aufgrund einer besseren Lesbarkeit in den männlichen Personenbezeichnungen mitgemeint“ – die Botschaft kann antiquiert wirken.

Wieso eigentlich gendern?

Gendergerechte Sprache hat zum Ziel, alle biologischen und sozialen Geschlechtsidentitäten in gesprochener und geschriebener Sprache sichtbar zu machen und gleich zu behandeln. Dabei geht es zum einen darum, Vielfalt in der Sprache abzubilden. Da Sprache im Gegenzug unsere Wirklichkeit formt, geht es zum anderen auch darum, Diversität gesellschaftlich anzuerkennen und zu normalisieren.

Deshalb ist gendergerechte Sprache auch für Unternehmen relevant – uns zwar auf allen Ebenen der Unternehmenskommunikation. Durch den Gebrauch gendergerechter Formulierungen – aber auch durch die bewusste oder unbewusste Entscheidung gegen das Gendern – positionieren Sie sich und senden eine Botschaft nach innen an Ihr Team und nach außen an potenzielle Kunden und Kundinnen sowie Stelleninteressierte.

  • Welche Botschaft möchten Sie senden?
  • Wie soll Ihr Unternehmen wahrgenommen werden?

Diese Überlegungen helfen, den richtigen Sprachgebrauch zu finden.

Häufig gehörte Einwände gegen das Gendern

Obwohl geschlechtergerechte Sprache längst Teil der Öffentlichkeit ist – Bundesministerien, Verwaltungen sowie Universitäten geben Leitfäden mit Tipps zum inklusiven Sprachgebrauch heraus – gibt es oft Kritik am Gendern. Begriffe wie „Genderwahn“ oder „Genderismus“ werden dabei insbesondere von rechtspopulistischen und rechtskonservativen Gruppen benutzt, um Bestrebungen der sprachlichen Gleichstellung abzuwerten.

Doch man muss nicht gleich antifeministisch und diversitätsfeindlich sein, um sich mit Sprachveränderung schwerzutun. Denn Fakt ist: Sprache nutzen wir automatisiert und unbewusst. Eine plötzliche Veränderung im Sprachbild irritiert uns und stört – Sprache wird anstrengend. Dabei ist dieser Störeffekt aber ganz beabsichtigt. Denn nur so können Ungleichheiten bewusst gemacht und neue Sprachweisen durchgesetzt werden – bis wir sie nach einiger Zeit wie selbstverständlich und quasi automatisch umsetzen.

Diese Einwände gegen gendergerechte Sprache sind häufig – und das sind mögliche Gegenargumente:

EinwandGegenargument
Ich bin eine Frau und habe kein Problem mit männlichen Personenbezeichnungen, die Frauen mitmeinen.Natürlich bewerten wir alle das Thema unterschiedlich. Doch viele Studien belegen, dass die meisten Menschen eher Männer vor Augen haben, wenn das generische Maskulinum benutzt wird. Andere fühlen sich durch das generische Maskulinum nicht angesprochen. Sollen wir nicht so kommunizieren, dass wir alle erreichen?
Jahrelang hat es keinen gestört, dass Texte im generischen Maskulinum verfasst werden.Dass sich Sprache mit der Zeit und zusammen mit einer Gesellschaft ändert, ist unvermeidbar. Was vor einigen Jahren noch normal war, bewerten wir heute anders – das betrifft nicht nur die Sprache.
Gendern nervt und ist in der Umsetzung echt anstrengend.Sprache nutzen wir automatisch – es ist vollkommen normal, dass eine Veränderung als anstrengend wahrgenommen wird. Aber um Sprache unserer Realität anzupassen, bedarf es manchmal aktiver Anstrengung – bis die Veränderung als ganz normal verinnerlicht wird.
Grammatisches und natürliches Geschlecht haben nichts miteinander zu tun. Deshalb können auch männliche Bezeichnungen problemlos für Frauen benutzt werden.Genus und Sexus sind bei Personenbezeichnungen im Deutschen durchaus eng miteinander verbunden. Studien belegen, dass maskuline Personenbezeichnungen eine männliche Lesart nahelegen.
Einwand

Ich bin eine Frau und habe kein Problem mit männlichen Personenbezeichnungen, die Frauen mitmeinen.

Gegenargument

Natürlich bewerten wir alle das Thema unterschiedlich. Doch viele Studien belegen, dass die meisten Menschen eher Männer vor Augen haben, wenn das generische Maskulinum benutzt wird. Andere fühlen sich durch das generische Maskulinum nicht angesprochen. Sollen wir nicht so kommunizieren, dass wir alle erreichen?

Einwand

Jahrelang hat es keinen gestört, dass Texte im generischen Maskulinum verfasst werden.

Gegenargument

Dass sich Sprache mit der Zeit und zusammen mit einer Gesellschaft ändert, ist unvermeidbar. Was vor einigen Jahren noch normal war, bewerten wir heute anders – das betrifft nicht nur die Sprache.

Einwand

Gendern nervt und ist in der Umsetzung echt anstrengend.

Gegenargument

Sprache nutzen wir automatisch – es ist vollkommen normal, dass eine Veränderung als anstrengend wahrgenommen wird. Aber um Sprache unserer Realität anzupassen, bedarf es manchmal aktiver Anstrengung – bis die Veränderung als ganz normal verinnerlicht wird.

Einwand

Grammatisches und natürliches Geschlecht haben nichts miteinander zu tun. Deshalb können auch männliche Bezeichnungen problemlos für Frauen benutzt werden.

Gegenargument

Genus und Sexus sind bei Personenbezeichnungen im Deutschen durchaus eng miteinander verbunden. Studien belegen, dass maskuline Personenbezeichnungen eine männliche Lesart nahelegen.

Wie gendert man korrekt?

Aber wie nutzt man gendergerechte Sprache denn eigentlich richtig? Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine offiziellen Regeln für den korrekten geschlechterneutralen Sprachgebrauch. Auch der Rat für deutsche Rechtschreibung hat sich im Jahr 2018 entschieden, die Sprachentwicklung vorerst zu beobachten und keine Empfehlungen auszusprechen. Keine klaren Regeln, aber viele Optionen: Dass Gendern vielen anstrengend vorkommt, überrascht aus dieser Perspektive nicht.

Praktische Tipps und Formulierungen zum gendergerechten Schreiben

Inzwischen gibt es viele unterschiedliche Möglichkeiten, Texte gendergerecht zu verfassen. Wir zeigen Ihnen einige Varianten mit Beispielen, an denen Sie sich beim Verfassen Ihrer Texte orientieren können.

Von Sternchen bis Gender-Gap: kreative Kurzformen

Kreative Kurzformen ermöglichen verschiedene Geschlechteransprachen in einem Wort. Diese Formen sollen im Schriftbild irritieren und somit Bewusstsein für gendergerechte Sprache schaffen. Dabei entsprechen sie jedoch nicht den amtlichen Rechtschreibregeln. In der gesprochenen Sprache können die Kurzformen entweder in die Doppelform aufgelöst oder mit einer Pause, einem sogenannten glottalen Stopp, mitgesprochen werden.

Gendern mit Sternchen

Eine Variante, um Begriffe zu gendern, ist das Gendersternchen. Das typografische Zeichen trennt den Wortstamm von der weiblichen Endung. Dabei symbolisiert das Sternchen, auch Asterisk genannt, alle – auch nicht-binären – Geschlechtsidentitäten.

  • Alle Mitarbeiter*innen werden gebeten, sich bei der Personalverwaltung zu melden.
  • Die Schüler*innen versammeln sich in der Pausenhalle.
  • Hier findet jede*r das passende Angebot.
Gendersternchen

Doppelpunkt

Eine Alternative zum Sternchen ist der Doppelpunkt, der ebenfalls auch nicht-binäre Identitäten repräsentiert. Der Doppelpunkt gilt auch als barrierefreie Gendervariante, weil er von Screenreadern als Pause mitgelesen wird. Gleichzeitig ist der visuelle Störeffekt geringer – gegenderte Formen mit Doppelpunkt fallen nicht so stark auf.

Doppelpunkt
  • Gesucht wird ein:e Mieter:in für die freistehende Wohnung.
  • Wir legen Wert auf eine offene Kommunikation mit unseren Businesspartner:innen.
  • Jede:r Lehrer:in muss den neuen Lehrplan bis Ende des Schuljahres vorlegen.

Binnen-I

Das sogenannte Binnen-I ist eine der ältesten Kurzformen und inzwischen weit verbreitet. Jedoch ist seine Geschlechterabbildung rein binär – hier geht es vor allem darum, auf Frauen aufmerksam zu machen. Das Prinzip kann auch auf andere Artikel oder Pronomen übertragen werden, in denen nicht zwingend ein I enthalten sein muss.

  • Wir suchen staatlich geprüfte TechnikerInnen zur Unterstützung unseres Teams.
  • Der Text soll LeserInnen über das Thema informieren.
  • JedeR Fünfte hat Erfahrungen mit dieser Problematik gemacht.
Binnen-I

Unterstrich – Der Gender-Gap

Seit circa 2003 etabliert sich zunehmend der als Gender-Gap bezeichnete Unterstrich zur Markierung nicht-binärer Geschlechtsidentitäten. Er wird wie das Gendersternchen verwendet – verschwindet jedoch in unterstrichenen Textpassagen.

Gender-Gap
  • Unser_e Auszubildende_r erhält Einblick in alle wichtigen Unternehmensabteilungen.
  • Die Mechatroniker_innen sind für die technische Umsetzung des Projektes zuständig
  • Jede_r Angestellte_r kann im Homeoffice auf die wichtigen Dateien zugreifen.

X-Form

Eine weitere Kurzform soll Gender-Zuschreibungen ganz aus der Sprache tilgen – die x-Form. Hierbei hängt man nach Möglichkeit bei Substantiven im Singular ein x, im Plural ein xs an den Wortstamm des zugehörigen Verbs – geht das nicht, darf das x kreativ gesetzt werden. Ausgesprochen wird dies als „iks“ oder „ikses“. Diese Form hat sich jedoch noch nicht im Deutschen durchsetzen können.

  • Professx
  • Studierxs
  • Angestelltx
X als Genderform

TIPP

Gendern Sie mit Kurzformen im Plural – so bleiben Sätze übersichtlicher.

Statt: „Wir suchen ab August eine*n aufgeschlossen*en und engagierte*n Schulabgänger*in für den Ausbildungsberuf Kraftfahrzeugmechatroniker*in – Personenkraftwagentechnik (m/w/d).“

Lieber so: „Ab August bieten wir einen Ausbildungsplatz für Kraftfahrzeugmechatroniker*innen – Personenkraftwagentechnik an. Wir freuen uns über die Bewerbungen von aufgeschlossenen und engagierten Schulabgänger*innen.“

Doppelnennungen und verkürzte Doppelnennungen mit Schrägstrich

Die einfachste Variante, das generische Maskulinum zu vermeiden, sind Doppelnennungen der männlichen und weiblichen Form. Gerade in Anreden setzt sich beispielsweise ein „Liebe Kolleginnen und Kollegen“ immer stärker durch. In längeren Texten können auch männliche und weibliche Form im Wechsel gebraucht werden. Vorteil: Diese Form ist grammatisch korrekt und einfach umzusetzen. Nachteil: Sätze werden dadurch schnell lang. Zudem ist die Doppelnennung zwar ein Schritt in Richtung Inklusion, schließt aber alle nicht-binären Identitäten aus.

Schrägstrich
  • Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
  • Mitarbeiter/-innen
  • Jede und Jeder
  • Jede/-r
  • Jede/r Sachbearbeiter/in
  • Jedoch:

  • Arzt/Ärztin
  • Anwalt/Anwältin
  • Kollege/Kollegin

Umschreibungen

Neben Kurzformen und Doppelnennungen können Sätze oft auch durch Umschreibungen genderneutral umformuliert werden. Das erfordert ein bisschen Übung und Kreativität – am Ende steht aber ein gut lesbarer Text. Diese Varianten bieten sich zum Formulieren genderneutraler Texte an.

Partizipien

Beim Gendern mit Partizip Präsens wird das zugehörige Verb in der Verlaufsform (Gerundium) zum Substantiv.

Alle Teilnehmer und TeilnehmerinnenDie Teilnehmenden
Die Verwalter und VerwalterinnenDie Verwaltenden

Adjektive

Statt das Substantiv zu gendern, können Sie es auch in ein Adjektiv umwandeln – so wird es neutral.

Fragen Sie Ihren Arzt um RatHolen Sie sich ärztlichen Rat
KritikerKritische Stimmen

Wer und alle

Sätze werden durch gegenderte Formen schnell lang – mit „wer“ und „alle“ werden Sätze kürzer und genderneutral.

Der Mitarbeiter / die Mitarbeiterin, der/die abends zuletzt das Büro verlässt, macht bitte das Licht aus.Wer das Büro abends zuletzt verlässt, macht bitte das Licht aus.
Jede/r Angestellte/r reist eigenständig an.Alle Angestellten reisen eigenständig an.

Direkte Anrede

Eine elegante Lösung: Sprechen Sie Ihre Addressat*innen einfach direkt an.

Kunden werden gebeten, Ihre Kontaktdaten ins Formular einzutragen.Bitte tragen Sie Ihre Kontaktdaten ins Formular ein.
Unterschrift des AuftraggebersIhre Unterschrift

Unpersönlich formulieren

Sparsam eingesetzt können auch unpersönliche Umschreibungen eine gute weitere gendergerechte Variante sein.

Die Kollegen und Kolleginnen versammeln sich im Konferenzraum.Das Team versammelt sich im Konferenzraum.
Unsere Techniker kümmern sich um Ihr Anliegen.Unser technischer Support kümmert sich um Ihr Anliegen.

TIPP

Kombinieren Sie unterschiedliche Methoden (Kurzform, Umschreibungen, Doppelnennungen), um Texte abwechslungsreich und gut lesbar zu gestalten. Mischen Sie jedoch besser nicht verschiedene Kurzformen innerhalb eines Textes, sonst wird es unübersichtlich.

Geschlechtsneutrale Anreden formulieren

Anreden wie „Sehr geehrte Damen und Herren“ setzen voraus, dass man Frauen und Männer anspricht. Nicht immer ist das der Fall – oder die Adressat*innen sind im Vorfeld unbekannt. Bei Unsicherheit über die richtige Anrede zeigt eine freundliche Nachfrage, dass Sie sensibel mit dem Thema umgehen.
Anstelle eines Pronomens können Personen auch direkt mit Vor- und Nachnamen angeschrieben werden:

  • Hallo Kim Schmidt,
  • Guten Tag Jasmin Schwerdt,

Im Plural lassen sich geschlechtsneutrale Anreden am besten formulieren:

  • Liebes Team,
  • Liebe Menschen,
  • Sehr geehrte Beschäftigte,
  • Sehr geehrte Interessierte,

Auch Kurzformen wie Gendersternchen und Gender-Gap können in Anreden eingebaut werden:

  • Liebe Mitarbeiter*innen
  • Sehr geehrte Abteilungsleiter*innen

Eine weitere Möglichkeit der genderneutralen Anrede ist das Enby/Anby. Abgeleitet von der englischen Abkürzung für „non-binary“ (NB) kann man diese Wortschöpfung wie folgt nutzen:

  • Sehr geehrtes Enby Vorname Nachname
  • Liebes Anby Vorname Nachname

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Gendern und SEO – geht das?

Nachdem grundsätzlich also viele Argumente für das Verfassen gendergerechter Texte sprechen, möchten wir das Thema aus der SEO-Perspektive betrachten.

Genderneutrale SEO

Denn besonders weil heute die meisten Unternehmen vor allem online mit ihren Zielgruppen kommunizieren, müssen SEO und inklusive Ansprache zusammen gedacht werden.

Fakt ist: Google tut sich aktuell noch mit genderneutralen Keywords und Suchanfragen schwer. Das liegt aber nicht an einer grundlegenden Genderbias der Suchmaschine. Der Algorithmus hängt vielmehr mit dem Suchverhalten der User*innen zusammen. Noch gibt es viel mehr Suchanfragen zu Keywords im generischen Maskulinum – und Google bildet dies ab. Je schneller gendergerechte Sprache selbstverständlich wird, desto eher wird auch Google mit inklusiven Suchanfragen zurechtkommen.

Gendern im Web: „Freelancer“ als Beispiel

Als Beispiel betrachten wir das Keyword „Freelancer“. In der maskulinen Form hat es ein monatliches Suchvolumen von über 43.000. Das weibliche Pendant „Freelancerin“ hingegen hat ein wesentlich geringeres Suchvolumen von 220 im Monat. Eine Freelancerin, die ihre Website auf dieses Keyword optimieren möchte, hat entsprechend ein wesentlich kleineres Publikum.

Screenshot einer Keywordrecherche für Freelancer

Suchvolumen für das Keyword „Freelancer“.

Screenshot einer Keywordrecherche für Freelancerin

Suchvolumen für das Keyword „Freelancerin“.

Noch schwieriger sieht die Situation für kreative Kurzformen mit Genderstern, Schrägstrich oder Unterstrich aus. Unterschiedliche Tests liefern hierzu leider keine eindeutigen Ergebnisse. Festhalten lässt sich:

  • Google deutet das Gendersternchen oft als Leerzeichen: aus „Freelancer*in“ wird „Freelancer in“
  • Den Unterstrich wie auch das Binnen-I interpretiert Google häufig als rein weibliche Form
  • Doppelnennungen der männlichen und weiblichen Form werden von Google oft in die maskuline Form korrigiert
  • Den Schrägstrich erkennt Google als männliche Form

Unklar ist bisher, ob Google Keywords in kreativen Kurzformen als Fehler wertet, was sich negativ auf das Ranking auswirken kann.

Der Doppelpunkt als genderneutrale und SEO-konforme Lösung?

Der Doppelpunkt konnte in Stichproben als genderneutrale und SEO-konforme Kurzform bestehen. Google erkennt dabei den Doppelpunkt sowohl als männliche als auch als weibliche Form und spielt für „Freelancer:in“ sowohl Ergebnisse zum Keyword „Freelancer“ als auch für „Freelancerin“ aus.

Voraussetzung hierfür ist aber, dass der maskuline Wortstamm vor dem Doppelpunkt für sich stehen kann. So versteht Google zum Beispiel

  • Grafiker:in
  • Ingenieur:in oder
  • Lehrer:in

nicht jedoch

  • Ärzt:in
  • Anwält:in oder
  • Kund:innen.

Für Onlinetexte bietet sich der Doppelpunkt auch daher an, weil er barrierefrei ist: Screenreader lesen den Doppelpunkt als kurze Pause mit.

3 Tipps für gendergerechte SEO-Texte

Stand jetzt muss ein guter Text aus SEO-Perspektive nicht gegendert sein und es gibt noch keine eindeutigen Regeln, wie Google mit gegenderten Keywords umgeht. Diese drei Tipps helfen dabei, inklusive und erfolgreiche SEO-Texte zu schreiben:

  1. Genderneutrale Keywordsets: Richten Sie Ihre Keywords nach dem Thema oder der Dienstleistung aus, statt den Fokus auf die Person zu lenken. Als Alternative zu „Webdesigner“ oder „Webdesignerin“ bietet sich beispielsweise das Keyword „Webdesign“ an.
  2. Mix der Methoden im Fließtext: Um alle Keywords sowie genderneutrale Varianten zu berücksichtigen, mischen Sie Doppelnennungen, Kurzformen und neutrale Umschreibungen in dem Fließtext Ihres Beitrags.
  3. Die User*innen im Fokus: Ihren Content erstellen Sie für die User*innen, nicht nur für Google. Entscheiden Sie sich, wie Sie als Unternehmen kommunizieren und wen Sie erreichen möchten. Verzichten Sie nicht komplett auf gendergerechte Sprache nur, um ein gutes Ranking zu erzielen.

Fazit: Zeichen setzen mit gendergerechten Formulierungen

Gendergerechte Sprache polarisiert und es wird sich zeigen müssen, inwieweit und welche Formen des Genderns sich durchsetzen werden. Dennoch spricht vieles dafür, Sprache inklusiver zu gestalten und gesellschaftlichen Wandel auch in die Kommunikation zu integrieren. Bis feste Regeln etabliert sind, darf man beim Gebrauch der Formen kreativ werden. Auch Unternehmen können mit der bewussten Entscheidung für das Gendern ein Zeichen setzen: für eine offene Unternehmenskultur und progressive Geschäftsbeziehungen, die Vielfalt willkommen heißen.

Sie brauchen Hilfe bei der richtigen Umsetzung gendergerechter Formulierung in Ihren Texten? Wir unterstützen Sie gerne mit einer professionellen Textkorrektur oder Lektorat: Kontaktieren Sie uns gern per Mail an info@kolibri.online , telefonisch über +49 40 5247774-0 oder fordern Sie gleich ein unverbindliches Angebot an.

Über die Autorin

Projektmanagerin Jordis Lau aus dem Kolibri-Team

Jordis Lau
Redakteurin Content Marketing
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