„Eine Herausforderung, die Spaß macht“ – Interview mit Schwedisch-Übersetzerin Sara Dahlén

Regal vor roter Wand mit englischem Wörterbuch und Kisten

Sara Dáhlen ist professionelle Übersetzerin für ihre Muttersprache Schwedisch.

In dieser Interviewreihe erzählen unsere Freelancerinnen und Freelancer von ihrem Beruf und Arbeitsalltag. Sara Dahlén berichtet über Herausforderungen bei Schwedisch-Übersetzungen und warum sie die Sprache so faszinierend findet.

Kolibri: Liebe Sara, erzähl uns ein bisschen von deinem Werdegang als Übersetzerin und warum du dich für den Beruf entschieden hast.

Sara Dahlén: Nachdem ich 2017 meinen Bachelor of Science in Psychologie an der Fernuniversität in Hagen absolviert habe, war ich mir nicht sicher, was ich machen wollte. Ich wusste nur, dass es weiter studieren erstmal nicht war. In Deutschland kann man auch „nur“ mit einem Bachelorabschluss nicht viel im Feld Psychologie machen. Der Freund meiner besten Freundin arbeitete (und arbeitet noch) als Übersetzer und hat mir von dem Beruf erzählt. Ich habe immer sehr viel Spaß an Sprachen und am Schreiben gehabt, daher dachte ich, dass ich Übersetzen zumindest ausprobieren könnte. Wenn es gut läuft, wäre das super, wenn nicht, würde ich mir etwas anderes überlegen müssen. Ich hatte auch bereits die Website meines vorherigen Arbeitgebers übersetzt und wusste daher, dass ich die Art von Arbeit großartig finde. Und das Experiment hat geklappt: Seit meinem Einstieg in die Übersetzungsbranche möchte ich nichts anderes machen! Man kann also nicht nur sagen, dass ich einen Weg in das Übersetzen gefunden habe, sondern dass das Übersetzen auch einen Weg zu mir gefunden hat.

Was ist besonders kurios oder faszinierend an deiner Muttersprache?

Etwas, was mich an Schwedisch immer fasziniert hat, ist das Verhältnis zwischen Schreibweise und Aussprache. Zum Beispiel der sogennante „sj-ljud“ (Ljud = Laut). Dieser liegt zwischen dem deutschen „sch“ und „ch“. Die offizielle deutsche Bezeichnung für diesen Laut ist stimmloser velopalataler Frikativ (was ein Begriff!). Im Schwedischen gibt es nur eine Möglichkeit, diesen auszusprechen, aber zahlreiche Schreibweisen. Sveriges Radio (der schwedische staatliche Radiosender) hat zusammen mit den Zuhörern über 60 (!) verschiedenen Schreibweisen für diesen einen Laut gesammelt. Darüber hinaus haben wir auch den stimmloser alveolopalataler Frikativ oder auf Schwedisch „tj-ljud“. Dieser wird aber nicht nur mit „tj“ geschrieben, sondern auch mit „k“. Achtung: Hier gibt es Verwirrungsrisiko. Zum Beispiel heißt „kära“ „verliebt“ (1. und 2. Person plural), während „tjära“ „Teer“ bedeutet. Die beiden Wörter werden aber identisch ausgesprochen.

Steckbrief Sara Dahlén


Muttersprache:
Schwedisch

Übersetzerin für folgende Sprachkombinationen:
Englisch -> Schwedisch, Deutsch -> Schwedisch

Übersetzerin seit:
ca. 2017

Branchenschwerpunkte:
Marketing, Website-Übersetzung, UI, E-Commerce, Psychologie

Website:
www.dahlentranslations.com

Portrait Sara Dahlén - Übersetzerin für Schwedisch

Wo und wie arbeitest du in der Regel?

Ich arbeite von zu Hause in Berlin. Das habe ich seit dem Anfang meiner Übersetzungskarriere gemacht. Allein kann ich mich am besten fokussieren. Aber ganz allein bin ich nicht – ich habe Seniorkollegen mit je vier Beinen – Zombi (Hund), Dona (Hündin) und Püppi (Katze). Sie finden es klasse, dass ich immer da bin und das finde ich auch. Durch das Gassi gehen helfen sie mir, ordentliche Pausen an der frischen Luft zu nehmen und den Arbeitstag gut zu strukturieren. Wenn das Wetter es zulässt, also vor allem zwischen Mai und September, arbeite ich auch sehr gerne vom Garten aus.

Welche Herausforderungen gibt es generell beim Übersetzen?

Übersetzen bedeutet viel mehr, als nur deutsche Wörter durch schwedische Wörter zu ersetzen. Man muss viele Faktoren berücksichtigen, bevor man sich für einen Begriff entscheidet: die Textart, branchenspezifische Terminologie (die auch teilweise erstmal recherchiert werden muss), die Zielgruppe oder welche Botschaft vermittelt werden soll. Außerdem muss unbedingt berücksichtigt werden, welche kulturellen Unterschiede und Konnotationen es zu bestimmten Ausdrücken gibt. Darüber hinaus muss man lernen, den richtigen Ton zu finden, der sowohl zum Unternehmen sowie zur Marke passt und gleichzeitig für die Zielgruppe ansprechend ist – ohne dafür potenzielle Leserinnen und Leser, die nicht zur Zielgruppe gehören, abzuschrecken. Manchmal ist das einfach und manchmal ist das eine echte Gratwanderung.

Eine andere Herausforderung ist es, dass Kunden nicht immer genau wissen, was sie von einer Übersetzung erwarten können. Innerhalb der Branche unterscheiden wir zwischen einfacher Übersetzung, Lokalisierung und Transkreation. Manche Kunden erwarten teilweise eher eine der beiden letzteren Varianten, haben aber “nur“ eine einfache Übersetzung beauftragt. Das führt manchmal zu Enttäuschungen auf Seite des Kunden, die sehr einfach vermieden werden können. Bei meinen Direktkunden kann ich einfach zu den verschiedenen Dienstleistungen beraten. Diese Möglichkeit habe ich nicht, wenn ich mit Übersetzungsbüros zusammenarbeite. Darum ist es mir sehr wichtig, ausschließlich mit Büros meines Vertrauens zusammenzuarbeiten.

HINWEIS

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Welche Herausforderungen gibt es speziell beim Übersetzen vom Deutschen in deine Muttersprache?

Schwedisch ist wie Deutsch eine germanische Sprache. Auch wenn die Sprachen sehr ähnlich wirken, sind sie oft sehr unterschiedlich. Daher muss man bei dieser Sprachenkombination sehr darauf achten, dass die Übersetzung nicht zu nah am Deutschen liegt. Beim Korrektur lesen sehe ich oft, dass eine deutsche Syntax übernommen wurde oder dass Wörter gewählt wurden, die dem deutschen Wort im Ursprungstext sehr ähneln, aber auf Schwedisch ein bisschen seltsam klingen. Ein Beispiel: Auf Deutsch kommen vermehrt sehr lange Sätze mit vielen Nebensätzen vor, im Schwedischen wird aber eine einfache Sprache aus kürzeren Sätzen bevorzugt.

Durch die Ähnlichkeit der beiden Sprachen gibt es auch viele sogenannten „False Friends“, also Wörter, die sehr ähnlich sind, aber verschiedene Bedeutungen haben. Ein Beispiel ist das deutsche Wort planieren, es klingt wie planera – aber planera bedeutet planen. Vor allem Übersetzer und Übersetzerinnen, die wie ich, nicht in Schweden wohnen, müssen sicherstellen, dass sie viel schwedische Sprache konsumieren und produzieren, um das Feingefühl im Topzustand zu halten.

Ein Großteil der Unternehmen bietet für ihre internationale Zielgruppe lediglich englische Übersetzungen ihrer Marketingunterlagen oder Websites an, warum lohnt sich deiner Meinung nach aber eine Übersetzung in weitere Zielsprachen?

Die Forschung zeigt, dass Menschen ein lokalisiertes Erlebnis im Onlinehandel vorziehen – also lieber dort einkaufen, wo die eigene Sprache und Kultur vertreten ist. Letztendlich basieren beispielsweise Kaufentscheidungen zum großen Teil auf Gefühl – und es ist einfacher diesen emotionalen Bezug bei Kunden herzustellen, wenn man deren eigenen Sprache spricht.

Eine gelungene Kombination aus Lokalisierung und SEO macht es für Kunden deutlich einfacher, ein Unternehmen und dessen Produkte online zu finden, was wiederum sowohl die Markenbekanntheit als auch die Umsätze steigern kann. Aber das ist nicht alles: Durch eine lokalisierte Website signalisiert ein Unternehmen den Kunden, dass sie ihm wichtig sind und dass es bereit ist, in eine authentische Kundenbeziehung zu investieren.

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Kennst du einen typischen Sprach-/Übersetzungswitz über deine Muttersprache? Erzähl ihn gern.

Nicht wirklich. Aber ich kenne ein englisches Wortspiel über die nordischen Sprachen:
Mark: “Tell me the best joke from your childhood”
Sven: “You want me to tell you a Swedish joke? Damn-Mark, there’s Norway I could Finnish it.“

Warum ist Übersetzerin der beste Job der Welt?

Weil es eine Herausforderung ist, die Spaß macht. Es ist außerdem ein abwechslungsreicher Beruf, den man mit ein bisschen Geschick und Bemühung immer neugestalten kann, in dem man neue Gebiete lernt und in diesen arbeitet. Und als Bonus lernt man täglich so viel Neues bei der Arbeit – Dinge, von denen man sonst vielleicht keine Ahnung gehabt hätte!

Fragen zu Fachübersetzungen bei Kolibri Online oder Übersetzungen für Deutsch-Schwedisch und Schwedisch-Deutsch gerne per Mail an info@kolibri.online, telefonisch über +49 40 5247774-0 oder gleich ein unverbindliches Angebot anfordern.

Über die Autorin

Jana Finklenburg
Projektmanagerin und Redakteurin
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