Übersetzung vs. Lokalisierung: die Unterschiede im Überblick

Zwei Pfade durch ein Rapsfeld.

Lokalisierung oder Übersetzung? Wie unterscheiden sich die beiden Ansätze?

Texte professionell zu übersetzen ist eine komplexe Aufgabe und beinhaltet oftmals mehr als die reine Übertragung von einer Sprache in eine andere. Der kulturelle und thematische Kontext, die Textart oder die Zielgruppe müssen berücksichtigt werden, damit Texte authentisch klingen und zum Zielland passen. Anstelle klassischer Übersetzungen bieten sich daher für bestimmte Textarten häufig eher Lokalisierungen an.

Was die Unterschiede zwischen Übersetzung und Lokalisierung sind und wann sich welche Form besser eignet, erklären wir in diesem Blogbeitrag.

Definition: Was ist eine Übersetzung?

Eine Übersetzung überträgt möglichst originalgetreu die Inhalte und die Struktur eines Dokuments in eine Zielsprache. Das Ziel einer guten Übersetzung ist es, dass sich der übersetzte Text wie ein Originaltext liest und eben nicht wie eine Übersetzung aus einer anderen Sprache. Daher sollten Übersetzungen auch immer von Muttersprachlerinnen und Muttersprachlern angefertigt werden, denn nur so können diese Ansprüche an eine natürliche Sprache und Authentizität wirklich berücksichtigt werden.
Screenshot Datenschutzerklärung Google auf Deutsch
Screenshot Datenschutzerklärung Google auf Englisch
Screenshot Datenschutzerklärung Google auf Deutsch
Screenshot Datenschutzerklärung Google auf Englisch

Die Datenschutzerklärung von Google ist ein gutes Beispiel für eine klassische Übersetzung.

Für welche Texte eignen sich Übersetzungen?

Übersetzungen sind immer dann die beste Lösung, wenn die Inhalte eines Ausgangstext in der Zielsprache möglichst genau wiedergegeben werden sollen. Die Struktur des Textes bleibt dabei unverändert – besonders bei informativen, wissenschaftlichen, technischen oder juristischen Texten mit Fachtermini ist eine „originalgetreue“ Übersetzung wichtig.

Übersetzungen eignen sich besonders für:

  • Verträge
  • Technische Datenblätter
  • Produktbeschreibungen
  • AGB
  • Datenschutzerklärungen

Definition: Was ist eine Lokalisierung?

Bei einer Lokalisierung (auch „Lokalisation“, abgekürzt „L10n“) erfolgt zusätzlich zur Übertragung in die Zielsprache eine Anpassung an die kulturellen Besonderheiten des Zielmarktes, die für das Verständnis des Textes wichtig sind. Daher muss bei einer Lokalisierung mehr erfolgen als bei einer klassischen Übersetzung. Schließlich sollen die übersetzten Inhalte und die Tonalität genau zum Markt passen – auch wenn dieser ein ganz anderer ist als der, für den der Text zuerst geschrieben wurde. Die Lokalisierung orientiert sich dabei in Inhalt und Struktur am Original, wird aber so an die Zielgruppe angepasst, dass sie muttersprachlich und wie für den jeweiligen Markt verfasst wirkt.

Unterschied zwischen Lokalisierung und Übersetzung

Die Begriffe Übersetzung und Lokalisierung werden häufig als Synonyme verwendet – das kann aber schnell zu Verwirrung und falschen Erwartungen führen. Denn tatsächlich baut eine Lokalisierung auf einer Übersetzung auf. Bei der Übersetzung überträgt die Übersetzer*in den ursprünglichen Text sinngemäß und korrekt in die gewünschte Zielsprache. Der Inhalt bleibt dabei unverändert. Bei einer Lokalisierung sind Anpassungen und inhaltliche Veränderungen des Ausgangstextes bis zu einem gewissen Grad aber notwendig. Für eine bessere Unterscheidung könnte man auch von einfachen und lokalisierten Übersetzungen sprechen – denn in beiden Fällen werden Inhalte von einer Sprache in eine andere übertragen.
Infografik zum Thema Übersetzung vs. Lokalisierung

Lokalisierungen sind erweiterte Übersetzungen: Ausgangstexte werden zusätzlich an die Kultur des Zielmarktes angepasst.

Wann eignet sich eine Lokalisierung und warum?

Ob eine Lokalisierung für Unternehmen infrage kommt, hängt zum größten Teil von den Zielen und der Art des Ausgangstextes ab. Für Websites, Apps oder Marketingunterlagen sind Lokalisierungen besonders sinnvoll – da Content hier sehr strategisch und marktbezogen ausgespielt wird und Unternehmen mit den Inhalten meist sehr lokale Ziele verfolgen.

Person arbeitet an einer Präsentation auf einem Laptop

Lokalisierungen eignen sich besonders für:

  • Websites
  • Apps
  • Kataloge
  • Präsentationen
  • Pressematerialien
  • Blogbeiträge
  • Landing Pages
  • White Paper
  • Marketingunterlagen

Website-Lokalisierungen

Eine professionelle und ansprechende Website gehört heute zur Grundausstattung eines Unternehmens. Wenn Sie mit Ihren Produkten und Dienstleistungen neue Märkte erschließen wollen, sollten Sie Ihr Angebot unbedingt in der jeweiligen Landessprache anbieten. Besonders wichtig ist dabei die lokale Ansprache, sodass die User*innen gar nicht merken, dass das Unternehmen nicht ursprünglich aus ihrem Land kommt. Dieser Eindruck wird auch durch lokalspezifische Normen wie Maßeinheiten, Währungen, Datum- und Zeitangaben oder Telefonnummernformate. Mehr Infos zu Website-Lokalisierungen.

Zudem sollten Unternehmen auf eine lokale SEO-Strategie setzen und Keywords lokalisieren. Denn Suchvolumina und Suchverhalten sind von Land zu Land sehr unterschiedlich.

App-Lokalisierungen

Eine App funktioniert am besten, wenn sie genau auf die Zielgruppe und den Zielmarkt zugeschnitten ist. Das gilt für die dargestellten Inhalte, aber auch für Design, Icons, Keywords, Bildsprache, Funktionen und vieles mehr.
Wichtig: Unternehmen sollten vor einer Loklasierung eine umfassende Analyse von Zielmarkt und Marktpotenzial durchführen.

Marketing-Lokalisierungen

Orte, Versandkosten und andere lokale Bezüge müssen bei allen Werbe- und Informationsmaterialien in der Übersetzung an das jeweilige Land angepasst werden. Bei der Lokalisierung ist nicht nur die wirtschaftliche, sondern auch die soziale und kulturelle Umgebung wichtig.

Unternehmen sollten vor allem bei ihrem Marketing-Content auf Lokalisierungen setzen, da bei diesen Texten in der Regel eine starke Fokussierung auf die Zielgruppe besteht. Für Marketingtexte wie Claims oder Slogans eignen sich sogar noch freiere Formen der Übersetzung, wie die Transkreation.

Beispiele für lokalisierte Angaben

Bei Lokalisierungen werden Teile des Originaltextes an den Zielmarkt angepasst. Zum Beispiel muss bei Marketingübersetzungen aus dem Deutschen ins Niederländische je nach Zielgruppe abgewägt werden, ob für die Niederlande die höfliche Sie-Form oder die vertraute Du-Form verwendet werden soll. Es ist dabei vollkommen nebensächlich, ob auf Deutsch gesiezt oder geduzt wird. Bei einfachen Übersetzungen wird das in der Regel nicht angepasst, bei lokalisierten Übersetzungen aber natürlich mitberücksichtigt. Gleiches gilt auch für viele weitere funktionelle und kulturelle Angaben wie:

Datums- und Zeitformate

Weltweit gibt es unterschiedliche Schreibweisen für Datum und Uhrzeit. Steht der Monat vor dem Tag? Nutzt ein Land eher ein 24- oder 12-Stunden-System bei der Uhrzeitangabe? Und mit welchen Zeichen werden Tag, Monat und Jahr voneinander getrennt? Bei Lokalisierungen werden diese Angaben gemäß der Verwendung im Zielland angepasst.

Telefonnummern und Kontaktdaten
Ansprechpartner*innen, E-Mail-Adressen und Telefonnummern unterscheiden sich in der Regel von Markt zu Markt und auch die Darstellung der Kontaktdaten kann unterschiedlich sein. Zum Beispiel wird in einigen Ländern „00“ als Kennzeichnung von Ländervorwahlen verwendet. Allerdings nicht in allen. So gibt es z. B. auch „011“ in den USA und in Kanada. Dies Angaben sollten unbedingt lokal angepasst werden.
Maßeinheiten
Zentimeter oder Inch? Meilen oder Kilometer? Gramm, Unze oder Pfund? Angaben zu Maßeinheiten, Längen oder Gewicht variieren international stark und sind essenziell bei professionellen Internationalisierungen von Shops und Websites, damit sich Zielgruppen schnell zurechtfinden und nicht umständlich umrechnen müssen.
Kleidergrößen
Kleidungs- und Konfektionsgrößen werden international ebenfalls unterschiedlich angegeben. Die europäische Damen-Schuhgröße 38 wird zum Beispiel in den USA als 7, in Großbritannien als 4,5 und in Japan als 24 ausgezeichnet. Unternehmen, die ihre Onlineshops für bestimmte Zielländer übersetzen lassen, sollten Angaben der Kleidergrößen unbedingt lokalisieren – ansonsten sind Kund*innen schnell frustriert.
Währungen und Zahlen
Dollar, Euro oder Yuan? Angabe von Preisen auf Websites und in Shops sollten immer in den jeweiligen Landeswährungen ausgezeichnet werden. Auch steht das Währungszeichen je nach Land mal vor und mal nach dem Zahlbetrag.
Gesellschaftliche Normen und Werte; z. B. Humor, Etikette, Rituale, Mythen, Symbole

Jedes Land hat seine eigenen Feiertage, Bräuche und Rituale. Doch nicht nur die Festtage selbst können für bestimmte Zielgruppen abweichen, auch Texte zu internationalen Festen wie Weihnachten sollten je nach Zielland überprüft werden. Übersetzt man zum Beispiel einen Text aus dem Deutschen für den australischen Markt, sollte man keine weißen Weihnachten wünschen, da zu dem Zeitpunkt auf der Südhalbkugel Sommer ist. Hier bieten sich je nach Zielgruppe und Marke eher Grußformeln wie „Happy holidays“ oder „Seasons greetings“ an.

Auch gegenderte Begriffe müssen auf die jeweiligen sprachlichen Entwicklungen des Ziellandes angepasst werden – denn Gendersternchen und Co. sind nicht einfach übertragbar.

Zudem können Symbole oder Zahlen abhängig von Land und Kultur unterschiedliche Bedeutungen haben. In China stehen beispielsweise die Zahlen 4 oder 512 für Unglück – eine limitierte Edition in diesen Stückzahlen wäre also kein Verkaufsschlager. Hingegen ist die 8 die absolute Glückszahl – diese Besonderheiten sollten bei Inhalten für den chinesischen Markt berücksichtigt werden.

Solche Hinweise werden bei einer Lokalisierung an Kund*innen weitergegeben und alternative Lösungen angeboten.

Grafiken, Symbolen, Farben und Bildern

Auch visuelle Inhalte sollten bei Lokalisierungen einer Prüfung auf ihren kulturellen Fit unterzogen werden. Bestimme Farben oder Darstellungen können für einige Kulturräume harmlos und stilvoll erscheinen, in anderen Kulturen aber als Beleidigung aufgefasst werden. Gleiches gilt für Farben. Zudem sollten dargestellte Personen auf Fotos und Websites der landesspezifischen Kultur entsprechen.

Übersetzerinnen und Übersetzer können diese Prüfung nur bedingt leisten. Unternehmen sollten daher zusätzlich muttersprachliche Design- und Werbeexpertise einholen.

Ein typisches Beispiel für Lokalisierungen sind auch Texte mit Zeichenbegrenzungen wie einfache Anzeigentexte für Google Ads. Hier müssen Inhalte oftmals gestrichen oder so umformuliert werden, dass das Wichtigste gesagt wird und es sich trotzdem noch gut anhört. Einfache Übersetzungen aus dem Englischen sind beispielsweise meistens länger als das Original.

Schon gelesen?

Architektur vor blauem Himmel.
Internationale KW-Recherche
Die Auswahl der richtigen Keywords pro Zielland ist enorm wichtig für den Erfolg von mehrsprachigen Websites. Jetzt mehr erfahren.

Weiterlesen…

Symbolfoto Website-Übersetzung: Weltkugel liegt auf Rasenfläche
Tipps zur Website-Übersetzung
Eine Website-Übersetzung erfordert gute Planung, Feingefühl und die Unterstützung von Profis. Hier Tipps & Tricks erfahren.

Weiterlesen…

Top Shot auf Arbeitstisch mit Laptops, Händen und Arbeitsmaterial
Import und Export aus Typo3
Wer seine Website übersetzen will, muss zunächst an den gesamten Text kommen. Das geht ganz einfach mit unserer Anleitung.

Weiterlesen…

Was ist die nächste Stufe nach einer Lokalisierung?

Gerade bei Claims oder Headlines, die Emotionen oder Reaktionen auslösen sollen, sind zudem Sprachwitz, kulturelle Anspielungen oder länderspezifische Hintergründe beliebte Mittel, die bei einfachen Übersetzungen und Lokalisierungen verlorengehen. Hier arbeitet man vermehrt mit dem Prinzip Transkreation.

Transkreationen lösen sich vom Originaltext, ohne den Sinn zu verändern und passen diesen an jeweilige Zielmärkte kreativ an. Es ist also eine Kombination aus den Begriffen Übersetzung (Translation) und Schöpfung (Kreation) und könnte damit auch als kreative Übersetzung oder bilinguale Texterstellung bezeichnet werden.

Eine Lokalisierung oder Transkreation hat als Basis immer einen Ausgangstext und ein ergänzendes Briefing. In manchen Fällen sind aber so große Anpassungen an den Inhalt notwendig, dass der Ausgangstext überflüssig wird. Wenn der Ausgangstext nicht gut ist oder inhaltlich gar nicht relevant für das Zielland, eignet sich eine Textneuerstellung. Das ist auch der Fall, wenn ein Text nur in der Zielsprache benötigt wird, aber nicht in der Ausgangssprache. Dann muss die Basis nicht extra geschaffen werden, sondern nur ein Briefing für die Texterstellung.

Geordnet nach dem Anpassungsgrads des Ausgangstextes, ergibt sich folgende Reihenfolge:

Übersetzung

Lokalisierung

Transkreation

Textneuerstellung

Was sind die Herausforderungen bei Lokalisierungen?

Bei Lokalisierungen ist neben dem Wissen über kulturelle und gesellschaftliche Besonderheiten des Ziellandes auch Branchenwissen enorm wichtig. Außerdem muss man das Texthandwerk beherrschen und sich an die Tonalität des Kunden anpassen, ohne dabei den Ausgangstext zu vergessen – das ist eine komplexe Aufgabe.

Fazit: Lokalisierungen werden immer wichtiger

Lokalisierungen sind in der heutigen globalen und digitalen Welt wichtiger denn je. Menschen wollen gezielt und in ihrer Muttersprache angesprochen werden – sonst vermischt sich alles zu einer unspezifischen Masse. Daher ist es wichtig mehrsprachigen Content immer passgenau auf Zielmarkt und Zielgruppe zuzuschneiden, damit sich Menschen – und damit auch Kundinnen und Kunden – wirklich abgeholt und verstanden fühlen.

Über die Autorin

Jana Finklenburg
Projektmanagerin und Redakteurin
Content Marketing
+49 40 5247774-22
j.finklenburg@kolibri.online
Alle Beiträge von Jana

Kolibri Online GmbH
Bernstorffstraße 128
D-22767 Hamburg