Goethe sagt: „Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen“ –
Interview mit Monica Loizzo, Italienisch-Übersetzerin

Portraitbild der Italienisch-Übersetzerin Monica Loizzo

Übersetzerin aus Leidenschaft: Monica Loizzo ist Übersetzerin für Italienisch

In dieser Interviewreihe erzählen unsere Freelancer von ihrem Beruf und Arbeitsalltag. Monica Loizzo berichtet über Herausforderungen bei Italienisch-Übersetzungen und warum sie die Sprache so faszinierend findet.

Kolibri: Erzähl uns ein bisschen von deinem Werdegang als Übersetzerin und warum du dich für den Beruf entschieden hast.

Monica Loizzo: Ich habe mich schon immer für Sprachen interessiert und mich quasi schon mit 11 für diesen Weg entschieden. Damals wusste ich zwar noch nicht, dass ich Dolmetscherin und Übersetzerin werden will, jedoch wusste ich ganz genau, dass ich so viele Fremdsprachen wie möglich lernen möchte. Mit Englisch und Französisch habe ich bereits sehr früh begonnen, mit 16 im Gymnasium habe ich dann auch die ersten deutschen Worte gelernt und mich mit der Sprache bis zur Uni intensiv beschäftigt. Nach dem Bachelor ging es los: Die ersten Praktika, die ersten Kunden und so hat sich langsam mein Netzwerk erweitert.

Ich würde nicht sagen, dass ich mich für diesen Job entschieden habe. So wie Schreiben, ist Übersetzen für mich viel mehr eine Leidenschaft als ein Job, die ich nie aufgegeben habe. Obwohl ich in den letzten Jahren auch oft in Festanstellung im Bereich Werbung und Lokalisierung gearbeitet habe, habe ich weiter Übersetzungsaufträge als Freelancerin angenommen. Durch die Arbeit als Übersetzerin lerne ich so viel neues bei jedem Auftrag – über Kulturen, versteckte Orte, Psychologie oder sogar über Handwerk. Dabei treibt mich immer meine Neugier an: Ich will lernen und das Wissen in fremden Worten für andere zur Verfügung stellen.

Was ist besonders kurios oder faszinierend an deiner Muttersprache?

Goethe hat mal gesagt „Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen“ – und das stimmt! Wenn man als Übersetzerin arbeitet muss man oft jedes Wort auf die Goldwaage legen und vieles hinterfragen – vor allem seine eigene Muttersprache und deren regionale Varianten. Letzteres fasziniert mich dabei übrigens am meisten am Italienischen: Die Dialekte unterscheiden sich nicht nur anhand der Region. Vor allem in Süditalien, hat jede kleine Stadt oder Dorf einen anderen Dialekt. Meinen eigenen kann ich tatsächlich auch sprechen, jedoch nicht schreiben. Aber viele Ausdrücke sind dem Französischen sehr ähnlich. Würde ich in meiner Region (Apulien) weiter südlich fahren, dann würde in nach 2 Stunden Fahrt nicht mehr viel verstehen, denn dort weist die regionale Ausprägung der Sprache Spuren von Griechisch auf. Das finde ich besonders spannend und es sagt viel über die Kultur eines Landes aus: Man erkennt die Geschichte in der Sprache und fühlt sich gleich als ein „Citizen of the World“. Meiner Meinung nach sollten die italienischen Dialekte in der Schule ein richtiges Fach sein, denn sie spiegeln unsere Vergangenheit wider. Viele finden die „typisch italienischen“ Gesten faszinierend und kurios. Diese gibt es vor allem wegen der vielen Dialekte. Denn wie sonst hätten ein Barese und ein Veneziano kommunizieren können? Erst mit dem TV-Boom in den 60-Jahren hat sich eine einheitliche italienische Sprache durchgesetzt.

Wo und wie arbeitest du in der Regel?

Ich arbeite von meiner Wohnung in Hamburg aus, oft sogar ganz bequem von der Couch. Gerne abends, wenn draußen alles ruhig ist und mich gut entspannen kann. Übersetzen ist für mich wie gesagt eine Leidenschaft und den Moment will ich auch genießen.

Steckbrief Monica Loizzo


Muttersprache:
Italienisch

Übersetzerin für folgende Sprachkombinationen:
DE-IT, EN-IT, FR-IT, ES-IT

Übersetzerin seit:
2014

Branchenschwerpunkte:
Fashion, Travel, Web, Digital Marketing, Technical, Legal

LinkedIn-Profil:
https://www.linkedin.com/in/monica-loizzo-093306b9/

Portraitbild der Italienisch-Übersetzerin Monica Loizzo

Welche Herausforderungen gibt es generell beim Übersetzen?

Es kommt immer stark auf den Ausgangstext an. Vor allem bei juristischen Texten, wie AGBs mit Hinweis auf besondere Richtlinien oder länderspezifische Gesetze, fehlt oft ein italienisches Äquivalent. In diesen Fällen muss man dann ggf. auf Teile verzichten oder eine andere Lösung finden (z.B. Fußnoten zu der Übersetzung einfügen).

Welche Herausforderungen gibt es speziell beim Übersetzen ins Deutsche oder vom Deutschen in deine Muttersprache?

Wie übersetze ich Ohrwurm, Fernweh oder Bundesausbildungsförderungsgesetz? Und warum gibt es überhaupt solche langen Wörter? Hatte Oscar Wilde recht, als er meinte das Leben sei zu kurz, um Deutsch zu lernen? Nein, hatte er nicht. Jedoch sind manche deutschen Worte einfach kaum zu übersetzen oder so lang, dass man sie erstmal 3-4 Mal lesen muss, um die einzelnen Worte zu erkennen und diese in der richtigen Ordnung zu übersetzen. Letztendlich ist „Bundesausbildungsförderungsgesetz“ ein Bundesgesetz zur Förderung der Ausbildung, oder?

Andersrum, also vom Italienischen ins Deutsche, zeigt sich die deutsche Sprache sehr reich an detaillierten Verben für genaue Aktionen, aber gleichzeitig arm an bestimmten Adjektiven.

Will man zum Beispiel den einfachen Satz „Ho rotto il tavolo“ (I broke the table) auf Deutsch übersetzen, könnte man folgende Optionen wählen:

Ich habe den Tisch gebrochen

Ich habe den Tisch zerbrochen

Ich habe den Tisch durchgebrochen

Was ist richtig? Im Zweifel könnte man eine alternative Lösung nehmen wie „Ich habe den Tisch kaputt gemacht“.

Was macht man aber, wenn es ein Wort auf Deutsch einfach nicht gibt? Ein Beispiel, das ich immer gerne nehme und das für mich heute noch verwirrend und unlogisch klingt, ist die Übersetzung des Wortes fortunato (lucky). Deutsch hat viel mehr mit Englisch gemeinsam als man denkt, daher funktioniert das Beispiel besser mit Englisch im Vergleich. Nehmen wir das Substantiv luck, auf Deutsch Glück. Aus luck wird das Adjektiv lucky (auf Deutsch glücklich). Jedoch bedeutet glücklich auf English happy. See my point?

Die größte Schwierigkeit besteht aber beim Dolmetschen. Die Übersetzung ist in dem Fall live und man spricht simultan. Im Deutschen steht das Verb in Nebensätzen meistens am Ende oder man hat sogenannte trennbare Verben, bei denen die Präposition am Ende des Satzes steht. Heißt: Man muss warten, dass ein Satz zu Ende ist. Die Verschiebung ist beim Dolmetschen vom Deutschen ins Italienische größer als etwa bei der Sprachkombination Französisch-Italienisch, da die Sprachen einen sehr ähnlichen Satzbau haben. Ein Beispiel: „Wie man sich vorstellen kann, gehen viele Menschen immer noch ohne Maske aus.“ Würde man direkt mit der Übersetzung anfangen, konnte man schnell gehen (andare) statt ausgehen (uscire) übersetzen. Kein Wunder also, dass Simultandolmetschen als einer der stressigsten Jobs der Welt eingestuft wurde, direkt nach Flugzeugpilot. Schon mal „The Translator“ mit Nicole Kidman geguckt? 😊

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Ein Großteil der Unternehmen bietet für ihre internationale Zielgruppe lediglich englische Übersetzungen ihrer Marketingunterlagen oder Websites an, warum lohnt sich deiner Meinung nach aber eine Übersetzung in weitere Zielsprachen/deine Muttersprache?

Ich würde eher sagen, dass sich eine reine Übersetzung für viele Unternehmen nicht lohnt. Heute kommt es mehr denn je darauf an, in Lokalisierungen zu investieren. Denn: Kunden kaufen nicht, was sie nicht verstehen! Das heißt zum Beispiel, dass eine gute Spanisch-Übersetzung, die vielleicht super in Spanien funktioniert, überhaupt nicht in Mexiko oder anderen lateinamerikanischen Ländern ankommt. Beim Übersetzen muss man immer sehr lokal denken: Wer wird diesen Text lesen? Welche Sprache oder welchen Slang nutzen die Leser? Und nein: Maschinelle Übersetzung ist nicht die Lösung.

Kennst du einen typischen Sprach-/Übersetzungswitz über deine Muttersprache? Erzähl ihn gern.

Einer meiner Lieblingszitate über die italienische Sprache ist von Cesare Marchi, Autor und Journalist, der satirisch meinte „La nostra lingua è seminata di trabocchetti per gli stranieri che la studiano, figuriamoci per gli italiani, che non la studiano mai”, dass so viel heißt wie “Unsere Sprache ist voller Fallen für diejenigen, die sie als Fremdsprache lernen. Stellt euch mal vor wie es für Italiener ist, die das nie lernen!“.

Warum ist Übersetzerin der beste Job der Welt?

Weil man jeden Tag und mit jedem Auftrag immer was Neues lernt.

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Über die Autorin

Jana Finklenburg
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