„Gute Übersetzungen öffnen Welten“ – Interview mit Manon de Heus, Niederländisch-Übersetzerin, Journalistin und Texterin

Portraitbild der Niederländisch-Übersetzerin Manon de Heus

Manon de Heus ist Übersetzerin, Texterin sowie Journalistin und spezialisiert auf die Sprache Niederländisch.

In dieser Interviewreihe erzählen unsere Freelancer von ihrem Beruf und Arbeitsalltag. Manon de Heus berichtet über Herausforderungen bei Niederländisch-Übersetzungen und warum sie die Sprache so faszinierend findet.

Kolibri: Liebe Manon, erzähl uns bitte ein bisschen von deinem Werdegang als Übersetzer_in und warum du dich für den Beruf entschieden hast.

Manon de Heus: Als Tochter von einer deutschen Mutter und einem niederländischen Vater bin ich mit Sprachen großgeworden. Ich habe immer verstanden, dass Sprache viel mehr ist als eine Kombination von Wörtern oder eine korrekte Rechtschreibung: Sprache bestimmt wie wir unsere Welt wahrnehmen, wie andere uns wahrnehmen. Für mich war es nie eine bewusste Entscheidung mich als Texterin und Übersetzerin selbstständig zu machen, sondern eher ein natürlicher Weg, der nicht anders hätte laufen können.

Was fasziniert dich am meisten an deiner Muttersprache?

Was mich am meisten fasziniert, sind die Unterschiede zwischen der niederländischen und deutschen Sprache, und deren direkter Link zur jeweiligen Kultur. Die deutsche Sprache, so wie die deutsche Kultur, ist viel präziser und ausführlicher als die Niederländische. Ich arbeite direkt mit ein paar deutschen Onlineshops zusammen, die gerne schreiben: „Wenn Sie diesen Artikel bestellen möchten, klicken Sie bitte auf den untenstehenden grünen Knopf mit ‚bestellen‘“. Niederländer würden über so einen Satz nur schmunzeln, denn für sie ist diese Ankündigung überflüssig. Was mich außerdem fasziniert ist die unterschiedliche Wertschätzung von Komplexität. Lange Sätze, die aus möglichst vielen Nebensätzen bestehen und gerne auch mal passiv sind, werden in Deutschland generell als positiv bewertet. Im Niederländischen werden dagegen kürzere Sätze, ein einfacher Satzbau und eine aktive Schreibweise bevorzugt.

Findest du, dass der Job Übersetzer_in genügend Anerkennung (in deinem Heimatland) erfährt?
Warum oder warum nicht?

Ich arbeite ausschließlich mit Kund_innen zusammen, die verstehen wie herausfordernd übersetzen ist und was eine starke Übersetzung ausmacht. Denn nur wenn die Zusammenarbeit stimmt und man sich gegenseitig Anerkennung schenkt, können optimale Resultate erzielt werden. Für mich ist der Unterschied zwischen Menschen, die das Übersetzen ‚verstehen‘, und Menschen, die es nicht tun, die Einsicht, dass eine Sprache voll und ganz eine Kultur reflektiert. Als Übersetzerin muss ich ein hundertprozentiges und immer aktuelles Verständnis der deutschen und niederländischen Kultur haben. Ich muss in beiden Ländern gelebt haben und mich täglich mit den beiden Kulturen auseinandersetzen. Die Wörter, für die ich mich während einer Übersetzung entscheide, sind lediglich der letzte Schritt dieses sehr intensiven Prozesses.

Steckbrief Manon de Heus


Muttersprache:
Deutsch und Niederländisch

Übersetzer_in für folgende Sprachkombinationen:
Deutsch-Niederländisch, Niederländisch-Deutsch

Übersetzer_in seit:
Ich bin seit 2011 selbstständig als Texterin und Journalistin und seit 2015 außerdem als Übersetzerin tätig.

Branchenschwerpunkte:
Lifestyle

LinkedIn-Profil:
https://www.linkedin.com/in/manon-de-heus-56b44b43/

Drei Kapitel ihres Buches ‚Das Pfand meiner Mutter‘ sind bei der Bundeszentrale für politische Bildung zu lesen:
https://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/308221/werdegaenge

Portraitbild der Niederländisch-Übersetzerin Manon de Heus

Wo und wie arbeitest du in der Regel?

Ich arbeite 2-3 Tage die Woche in meinem Co-Working Büro in Berlin und 2-3 Tage von zu Hause. Um schneller in die Welt meiner Kund_innen eintauchen zu können, arbeite ich immer mit Ohrstöpseln und ich bevorzuge eine ruhige, serene Aussicht. Mein Schreibtisch zu Hause steht vor meinem Wohnzimmerfenster und verleiht mir einen schönen Blick auf meinen kleinen Garten.

Welche Herausforderungen gibt es beim Übersetzen ins Deutsche oder vom Deutschen in deine Muttersprache?

Das deutsche Original ist in der Regel 20-30 % länger als die niederländische Übersetzung. Das hat damit zu tun, dass viele Wörter länger sind, aber auch damit, dass deutsche Texte öfter etwas passiver und ‚vorsichtiger‘ geschrieben werden. Außerdem werden im Niederländischen einfachere Formulierungen oder kürzere Synonyme bevorzugt. Auch der Satzbau unterscheidet sich zwischen den zwei Sprachen. So werden Nebensätze im Niederländischen eher vermieden (erst recht online) und als separate Hauptsätze geschrieben. Ein Satz wie „Diese Sonnenbrille, die aus nachhaltigem Holz gefertigt ist und mit verschiedenen trendigen Details versehen ist, zeichnet sich durch ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis aus“ würde im Niederländischen eher folgende Form haben: „Diese Sonnenbrille hat ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis. Sie ist aus nachhaltigem Holz gefertigt und hat verschiedene trendige Details.“ (Da ‚zeichnet sich aus durch‘ hier dieselbe Bedeutung wie ‚hat‘ hat, entscheidet man sich im Niederländischen gerne für die einfachere Variante.) Lange Geschichte kurz: Wenn ich wortwörtlich vom Deutschen ins Niederländische übersetzen würde, würde der übersetzte Text sich unnatürlich und überkandidelt anhören.

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Ein Großteil der Unternehmen bietet für ihre internationale Zielgruppe lediglich englische Übersetzungen ihrer Marketingunterlagen oder Websites an, warum lohnt sich deiner Meinung nach aber eine Übersetzung in weitere Zielsprachen/deine Muttersprache?

Wie vieles im Leben ist auch Marketing letztendlich zu 80 % Gefühl: das richtige Gefühl bestimmt, ob gekauft wird oder nicht. Da Studien zeigen, dass eine emotionale Verbindung viel effektiver in der eigenen Sprache als in einer neutralen Fremdsprache hergestellt wird, sind Übersetzungen meiner Meinung nach unerlässlich. Dass die meisten Menschen auch das englische Original verstehen, hat damit nichts zu tun und sollte niemals der Hauptgrund sein, sich gegen eine Übersetzung zu entscheiden.

Was sind deiner Meinung nach die größten Herausforderungen für die Übersetzungsbranche?
Wie könnte sich die Arbeit in den nächsten Jahren verändern?

Die aktuelle gesellschaftliche Sensibilisierung wird zu einer (weiteren) Sensibilisierung der Sprache führen. Diese Entwicklung wird sich in verschiedenen Ländern in einem verschiedenen Tempo vollziehen. Ich merke zum Beispiel, dass die Niederlande in der Hinsicht ein paar Schritte weiter ist als Deutschland. Ein Produkt oder Look als ‚feminin‘, ‚maskulin‘ oder ‚ethno‘ zu bezeichnen ist in Holland schon längst nicht mehr akzeptiert, hier in Deutschland passiert es noch regelmäßig. Für mich als Übersetzerin bedeutet das, dass ich mir der Unterschiede nicht nur bewusst sein muss, sondern sie auch mit den Kunden besprechen muss – auch wenn das manchmal etwas unangenehm sein kann.

Kennst du einen typischen Sprach-/Übersetzungswitz über deine Muttersprache? Erzähl ihn gern.

Den kenne ich tatsächlich nicht, aber ich liebe es, wenn Deutsche ‚thuis‘ sagen (‚zuhause‘ auf Niederländisch).

Warum ist Übersetzer_in der beste Job der Welt?

Weil eine gute Übersetzung Welten öffnet – und damit fängt doch alles an, oder?

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Über die Autorin

Jana Finklenburg
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