„Der beste Übersetzer ist der, den man nicht merkt“ – Interview mit Polnisch-Übersetzer Szymon Metkowski

Regal vor roter Wand mit englischem Wörterbuch und Kisten

Szymon Metkowski berichtet über Herausforderungen und Entwicklungen bei Polnisch-Übersetzungen.

Kolibri: Lieber Szymon, erzähl uns ein bisschen von deinem Werdegang als Übersetzer und warum du dich für den Beruf entschieden hast.

Szymon: Ich habe bereits mit sechs Jahren angefangen, die Fremdsprachen Deutsch und Englisch zu lernen. Ich hatte einen hervorragenden Lehrer, der selbst Übersetzer war und mir gezeigt hat, wie faszinierend und interessant die Welt der Übersetzung sein kann.

Später wollte ich zwar eigentlich Anwalt werden, aber die Arbeitsrealität in dieser Branche hat mich überhaupt nicht angesprochen. Nach einem Praktikum in einer namhaften Kanzlei habe ich mich entschlossen, zu den Texten zurückzukehren und mein erstes Übersetzungsunternehmen zu gründen. Diese Entscheidung habe ich nie bereut.

Was fasziniert dich am meisten an deiner Muttersprache?

Mich fasziniert vor allem die große Vielfalt der Sprache. Polnisch ist von den vielen Kulturen und Nationen geprägt, aus denen die Bevölkerung Polens über Jahrhunderte bestand. Auch politische Umstände haben immer wieder Einfluss auf die Sprache genommen. Die Reminiszenzen dieser Einflüsse haben Polnisch zu „einer Sprache der Ausnahmen“ gemacht. Und zu einer der schwierigsten Sprachen der Welt.

Was ist besonders kurios oder faszinierend an deiner Muttersprache?

Es gibt sehr viele Kuriositäten bei der polnischen Sprache: Wörter fast ohne Vokale, wie „chrząszcz“ (Käfer), die vielen Endungen, weil alle Wortarten flektiert werden, die insgesamt sieben grammatischen Fälle, denn auch Nomen, Adjektive und manche Verben haben ein Genus – was übrigens noch mehr Endungen bedeutet – und und und …

Steckbrief SZYMON Metkowski


Muttersprache:
Polnisch

Übersetzer für folgende Sprachkombinationen:
DE>PL; EN>PL; PL>DE

Übersetzer seit:
ca. 2002

Branchenschwerpunkte:
Technik und Recht

Website:
www.metkowski.pl/de

Portraitbild der Spanisch-Übersetzerin Elena Vázquez.

Findest du, dass der Job Übersetzer genügend Anerkennung erfährt? Warum oder warum nicht?

Der beste Übersetzer oder Dolmetscher ist der, den man nicht merkt. Das erschwert, die öffentliche Anerkennung zu gewinnen. Doch das macht eigentlich nichts aus, da wir anderswo unsere Genugtuung finden. Es ist die Bewusstheit, dass man Brücken baut und das Leben anderer Stück für Stück leichter macht, was mich persönlich antreibt. Und wenn man dabei eine wirklich harte „Übersetzungsnuss” knackt, dann ist das noch das Tüpfelchen auf dem i.

Wo und wie arbeitest du in der Regel?

Ich sitze zusammen mit meinem Übersetzer-Team in einem eigenen Büro. Natürlich verwenden wir diverse Tools, sowie gute Hardware und spezielle Software. Wir diskutieren aber oft über verschiedene Zweifel in den laufenden Aufträgen. Ich mag diesen Teil der Arbeit sehr, weil meine Mitarbeiter_innen oft einen ganz anderen Blickwinkel auf das Problem haben. Das holt mich „aus meinem eigenen Kopf raus” und letztendlich finden wir eine optimale Lösung.

HINWEIS

Du bist freiberufliche Übersetzer_in und auf der Suche nach einem Kooperationspartner? Dann bewirb dich und komm in unser Übersetzungsteam. Wir freuen uns auf dich! Hier geht‘s zu unserer Bewerbungsseite für Freelancer: https://www.kolibri.online/ueber-uns/freelancer/

Welche Herausforderungen gibt es generell beim Übersetzen?

Wenn ich die größte nennen sollte, wäre das mit Abstand die Qualität des Ausgangstextes. Nicht alle Texte werden mit dem Hintergedanken geschrieben, dass sie später übersetzt werden müssen. Daher enthalten zum einen die Texte oft kulturelle Bezüge oder Wortspiele, die eigentlich ohne eine größere Umschreibung nicht übersetzbar sind. Zum anderen können die Ausgangstexte oft unklar sein, da sie branchen- oder sogar werkseigene Terminologie und Sprachangewohnheiten enthalten. Natürlich sind diese Probleme mit klarer Kommunikation leicht zu beheben.

Ein Großteil der Unternehmen bietet für ihre internationale Zielgruppe lediglich englische Übersetzungen ihrer Marketingunterlagen oder Websites an, warum lohnt sich deiner Meinung nach aber eine Übersetzung in deine Muttersprache?

Das ist ganz einfach: Es gibt verschiedenen Studien, die nachweisen, dass Menschen bevorzugt in ihrer Muttersprache nach Produkten suchen und am liebsten dort einkaufen, wo sie alles problemlos und vollständig verstehen. Es lohnt sich also einfach nicht, nicht zu übersetzen.

Was sind deiner Meinung nach die größten Herausforderungen für die Übersetzungsbranche? Wie könnte sich die Arbeit in den nächsten Jahren verändern?

Es gibt Visionäre, die sagen, ein Übersetzer sollte in Zukunft eher ein Inhalts-Manager sein, der die Prozesse der maschinellen Übersetzung steuert und überwacht. Ich würde so weit nicht gehen, doch die künstliche Intelligenz ist da und verändert unsere Branche seit Jahren. Es gibt ganze Gruppen von Texten, die früher von Menschen übersetzt worden sind, und heute im großen Teil durch Maschinen verarbeitet werden (wie etwa Produktkataloge). Zugleich gibt es ganz neue Sparten, die den Einsatz eines menschlichen Übersetzers erfordern (z.B. Streaming-Services) und die globale Menge der zu übersetzenden Texten wächst ja auch viel schneller als die Anzahl der Linguisten. Daher, einer konstanten persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung vorausgesetzt, bin ich ein Optimist.

Kennst du einen typischen Sprach-/Übersetzungswitz über deine Muttersprache? Erzähl ihn gern.

Es gibt T-Shirts mit der Aufschrift „Ich spreche Polnisch, was ist Deine Superkraft?“.

Warum ist Übersetzer der beste Job der Welt?

Als Übersetzer ist man unabhängig von Ort und Arbeitgeber. Wir bringen mit unserer Arbeit Menschen auf der ganzen Welt zusammen und es gibt für den Beruf keine Altersbegrenzung oder Vorurteile in Bezug auf Geschlecht und Nationalität. Übersetzer_innen haben Spaß am Sprachen lernen und Reisen. Ich glaube, es gibt wenige andere Berufe, in denen man so frei ist.

Sie haben Fragen zu Fachübersetzungen bei Kolibri Online oder benötigen eine Übersetzung für Deutsch-Polnisch und Polnisch-Deutsch? Kontaktieren Sie uns gern per Mail an info@kolibri.online oder telefonisch unter +49 40 5247774-0 oder fordern Sie direkt ein unverbindliches Angebot an.

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Über die Autorin

Jana Finklenburg
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